Der Flat als Assistenzhund?

In den letzten Tagen habe ich mich sehr stark mit dem Thema As­sis­tenz­hunde aus­ein­an­der­ge­setzt. Bei der Re­cherche, was man mit einem Hund alles ma­chen kann, um ihn kör­per­lich und geistig aus­zu­lasten, bin ich durch Zu­fall auf dieses Thema ge­kommen. Ich kenne Blin­den­hunde und Roll­stuhl­be­gleit­hunde, dass die Tiere aber auch in an­deren Be­rei­chen als As­sis­tenz­hunde ein­ge­setzt werden können war mir neu. So gibt es bei­spiels­weise Si­gnal­hunde, die Ge­hör­lose auf be­stimmte ak­kus­ti­sche Si­gnale hin­weisen, wie bei­spiels­weise einen We­cker, das Tür­klin­geln oder das Schreien eine Ba­bies. Es gibt me­di­zi­ni­sche Si­gnal­hunde, die einen Epi­lep­tiker auf einen be­vor­ste­henden An­fall (Epi­lep­sie­warn­hunde) oder einen Dia­be­tiker auf eine Un­ter­zu­cke­rung hin­weisen können (Dia­be­ti­ker­warn­hunde). Auch bei akuten Si­tua­tionen, wie einem epi­lep­ti­schen An­fall kann ein sol­cher Hund rea­gieren, indem sie Dinge außer Reich­weite bringen, die den Epi­lep­tiker ver­letzen könnten, oder indem sie Hilfe holen, sogar über ein spe­zi­elles Te­lefon (Epi­lep­sie­an­zei­ge­hunde). As­sis­tenz­hunde für le­bens­prak­ti­sche Fä­hig­keiten (LPF– oder auch Ser­vice­hunde) können helfen Dinge auf­zu­heben oder zu bringen (Fern­be­die­nung, Handy, usw.), Türen öffnen und schließen, das Licht an– oder aus­schalten und vieles mehr.
Und schließ­lich gibt es noch As­sis­tenz­hunde für Men­schen mit psych­ia­tri­schen Er­kran­kungen wie schweren De­pres­sionen, Ess­stö­rungen, Schi­zo­phrenie, bi­po­laren Stö­rungen, der Borderline-Störung, AD(H)S, Men­schen mit einem post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­syn­drom (PTBS-Hunde) und Au­tismus (Au­tis­mus­hunde). Und da komme ich mit meiner De­pres­sion ins Spiel.
Die Aus­bil­dung dieser As­sis­tenz­hunde kann durch einen ent­spre­chen Trainer vor­ge­nommen werden, der den Hund meh­rere Jahre lang trai­niert, wäh­rend der Hund bei einem Paten lebt. Nach der Aus­bil­dung be­kommen Hund und Pa­tient ein ge­mein­sames Trai­ning und der Hund dann an den Pa­ti­enten über­geben. Es ist aber auch mög­lich, dass Hund und Halter diese Aus­bil­dung ge­meinsam ma­chen. Diese Mög­lich­keit finde ich hoch­in­ter­es­sant. Schon im Wel­pe­nalter kann man den Hund auf ge­wisse Dinge prägen, die Phase der So­zia­li­sie­rung, bei der der Welpe lernt in ver­schie­denen Si­tua­tionen ruhig und ent­spannt zu sein ist be­son­ders wichtig.
Mein Hund muss kein rich­tiger As­sis­tenz­hund werden. Er muss mich nicht auf Schritt und Tritt be­gleiten, die „Pri­vi­le­gien“, die ein zer­ti­fi­zierter As­sis­tenz­hund hat, dass er in alle Ge­schäfte und Re­stau­rants, Ho­tels, in Bus, Bahn und Flug­zeug (in der Pas­sa­gier­ka­bine) darf, dass er in Woh­nungen ge­halten und an Orten sein darf, in denen Hunde un­ter­sagt sind, die brauche ich nicht. Mir würde es helfen, wenn der Hund in Phasen der De­pres­sion zu Hause „as­sis­tiert“. So ist es mög­lich, einem Hund bei­zu­bringen, seinen Men­schen zu Ak­ti­vität an­zu­halten, ihn aus Phasen der De­rea­li­sa­tion (wenn einem die Um­ge­bung un­wirk­lich und fremd er­scheint) oder De­per­so­na­li­sa­tion (wann man sich selber fremd er­lebt) her­aus­zu­holen und im Falle von Sui­zi­da­lität, Sui­zid­ge­danken und selbst­schä­di­gendem Ver­halten ent­weder Hilfe zu holen, oder seinen Men­schen von seinen Grü­be­leien oder schä­di­genden Ak­ti­vi­täten ab­zu­halten. Der Hund kann lernen seinen Men­schen zu we­cken, wenn der tags­über schläft oder Alp­träume hat, ihn ab­zu­lenken, wenn er nachts nicht schlafen kann und er kann ihn an seine Me­di­ka­mente er­in­nern und ihm diese sogar zu­sammen mit etwas Wasser bringen (nagut, nach­ein­ander), wenn Herr­chen oder Frau­chen nicht mehr in der Lage oder sich zu un­wichtig ge­worden sind um es selbst zu tun.
Für sich ge­nommen wirken Hunde schon aus­ge­spro­chen an­ti­de­pressiv und Flats durch ihr fröh­li­ches, auf­ge­schlos­senes und hu­mor­volles Wesen ganz be­son­ders, aber ein paar der zu­sätz­li­chen Fä­hig­keiten wären si­cher nütz­lich. Wobei ich den Hund nicht we­niger lieben würde, wenn das nicht klappt. Doch ich möchte es zu­min­dest ver­su­chen. Und nur weil er eine Sache nicht hin­kriegt heisst das ja nicht, dass er alles an­dere auch nicht schafft.
Durch um­fang­reiche Re­cherche im Netz und das Buch „Vom Welpen zum As­sis­tenz­hund“ (Promo-Link) habe ich je­den­falls schon ei­nige nütz­liche In­for­ma­tionen ge­sam­melt, wie man den Hund auf wel­pen­ge­rechte Weise für eine mög­liche As­sis­tenz­hun­de­tä­tig­keit vor­be­reitet.
Aber zu­erst muss das mit dem Flat na­tür­lich klappen. Das macht mir näm­lich die meisten Sorgen.

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