Die erste Absage

Ges­tern habe ich mir meine erste Züchter-Absage ein­ge­heimst. Also die Züch­terin hat es nicht di­rekt aus­ge­spro­chen, aber die Si­tua­tion war ein­deutig. Ins­ge­samt war das Ge­spräch sehr schwierig, eher wie ein Verhör, nicht wie eine Un­ter­hal­tung. Mir ist klar, dass die Züchter viel wissen möchten und das finde ich auch gut, aber meine bis­he­rigen Ge­spräche waren immer sehr freund­lich und haben sich gut an­ge­fühlt. Das Ge­spräch ges­tern über­haupt nicht, ich habe sehr viele Fragen be­ant­wortet (Wohnort, Haus oder Woh­nung, Miete oder Ei­gen­heim, Stock­werk, wie der Hund die Treppen runter– und rauf­kommt, mehr­fache Nach­frage, ob ich wirk­lich kräftig genug bin, ihn zu tragen, Bo­den­belag, was tun, wenn der noch nicht stu­ben­reine Hund einen „Un­fall“ hat, Strecke von der Woh­nung bis zur Grün­fläche, bis zum Park, bis zum Wald, meine Ar­beits­zeiten, die Ar­beits­zeiten meines Freundes, wohin mit dem Hund im Ur­laub, uvm.) und ich fühlte mich bei wirk­lich jeder Ant­wort so, als wäre sie falsch ge­wesen. Die ent­schei­dende Frage aber, die letzt­end­lich zum Ge­fühl der end­gül­tigen Ab­leh­nung führte, war die Frage da­nach, was ich mit dem Hund als Be­schäf­ti­gung ma­chen wolle. Ich er­zählte, dass ich noch nicht end­gültig fest­ge­legt sei, dass das Dum­my­trai­ning eine Mög­lich­keit wäre, dass ich aber auch für an­dere Dinge offen wäre, je nach In­ter­esse des Hundes und dass ich über­lege, bei ent­spre­chender Ver­an­la­gung des Hundes, ihm ein paar Dinge aus der As­sis­tenz­hun­de­aus­bil­dung bei­zu­bringen. Für welche an­deren Dinge ich noch offen sei, frage sie, „Obedience bei­spiels­weise“, ant­wor­tete ich. Es folgte Schweigen. Ich er­zählte, dass mir am Obedience ge­fällt, dass es dabei um die Har­monie und das Ver­trauen zwi­schen Hund und Halter geht, dass es nur funk­tio­niert, wenn der Hund Spass daran hat. Das glaubte sie mir nicht. Es schien fast so, als sei Obedience der in­be­griff der „Un­ter­wer­fung um jeden Preis“. Und die As­sis­tenz­hun­de­sache fand sie auch un­mög­lich. Ich sagte, dass mir wichtig wäre, etwas zu tun, was dem Hund und mir Freude be­reitet. Doch es war zu spät. Ihre Hunde wären für das Dum­my­trai­ning ge­züchtet, die Hunde hätten aus­schließ­lich daran Freude und ich schien ihr dem Hund meinen Willen und meine In­ter­essen auf­zwingen zu wollen. Es war furchtbar. Sie schwieg wieder und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dann be­en­dete ich das Gespräch.

Ja, ich bin ein emo­tio­naler Mensch, ich habe dieses Ge­spräch nicht ein­fach weg­ste­cken können. Ich habe mir lange über­legt, ob ich über­haupt zur Hun­de­hal­tung fähig sei, ob es ein Flat gut bei mir hätte. Würde ich ihm meinen Willen auf­zwingen, nur weil ich mir ein paar Mög­lich­keiten of­fen­halte und nicht jetzt und so­fort ent­scheide, eine be­stimmte Sache zu ma­chen? Na­tür­lich weiß ich, dass die meisten Re­triever (wie der Name es ja auch sagt) das Dum­my­trai­ning lieben. Und wenn mein Hund in spe das auch liebt, dann werde ich ihm das si­cher nicht vor­ent­halten. Aber ich finde es auch nicht schlimm, manche Dinge aus­zu­pro­bieren und zu sehen, was ihm noch Spaß macht. Dieses Ge­spräch je­den­falls hat mich sehr mitgenommen.

Was für ein Glück, dass sich heute eine an­dere Züch­terin ge­meldet hat, die sehr nett und auf­ge­schlossen wirkte. Es war ein schönes Ge­spräch und es ging mir viel besser da­nach. Ei­gent­lich waren alle Züch­ter­ge­spräche bisher po­sitiv. Bis auf das eine ges­tern. Doch ver­dauen muss ich das trotzdem noch.

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