Welpentest

Ges­tern würden die Welpen auf Herz und Nieren ge­testet. Dazu ist Karin zu einer Züch­terin ge­fahren, die den Test für sie durch­ge­führt hat. Wir an­deren durften leider nicht mit, ob­wohl wir na­tür­lich un­heim­lich neu­gierig waren, wie un­sere Flusen ab­schneiden würden.

Für Darcys Wurf war der Wel­pen­test im Grunde ge­nommen gar nicht wirk­lich nötig, da die Ab­nehmer für die ein­zelnen Welpen be­reits fest­standen. Bei grö­ßeren Würfen wird je­doch erst der Wel­pen­test ab­ge­wartet, bevor die Welpen ihren neuen Hal­tern zu­ge­wiesen werden. Dieses Ver­fahren ist bei Flats gang und gäbe, die Züchter an­derer Rassen hand­haben das je­doch teil­weise an­ders. Ent­schei­dend ist, dass man hofft, durch den Wel­pen­test Per­sön­lich­keits­merk­male der Hunde zu er­fahren, so dass für jeden Wel­pen­käufer das pas­sende Fell­knäuel ge­funden werden kann. Die Mei­nungen über Wel­pen­tests, bzw. deren Zu­ver­läs­sig­keit gehen recht weit aus­ein­ander und rei­chen von „un­ver­zichtbar“ bis hin zu „Kaf­fee­satz­le­serei“. Tat­sache ist, der Test schadet den Welpen nicht und so ist es ab­solut un­pro­ble­ma­tisch, ihn durch­führen zu lassen.

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Der Wel­pen­test wird auch We­sens­ver­an­la­gungs­test ge­nannt. Vor allem, wenn Hunde für spe­zi­elle Auf­gaben ge­sucht werden, bei­spiels­weise als Be­gleit– oder As­sis­tenz­hund, soll der Test wich­tige In­for­ma­tionen über die Ver­an­la­gung / das Tem­pe­ra­ment und die durch (fälsch­li­cher­weise be­zeichnet als) Prä­gung bzw. Er­fah­rung er­wor­benen Fä­hig­keiten geben. Man er­hält über diesen Test In­for­ma­tionen dar­über, wie man (zu­künftig) un­er­wünschtes Ver­halten des Hundes durch Er­zie­hung und Kom­mu­ni­ka­tion ver­meiden kann. Wenn der Welpe im Alter von 8 Wo­chen zu seinem neuen Be­sitzer kommt kann dieser durch den Test wert­volle Hin­weise für die So­zia­li­sie­rungs­phase (8. — 12. Le­bens­woche) er­halten und den Hund so po­sitiv wie mög­lich, wie es die An­lagen des Welpen er­mög­li­chen, erziehen.

Es gibt di­verse Test­ver­fahren von un­ter­schied­li­chen Leuten, Camp­bell, de Witt, Pfaf­fen­berger, Volhard, Scott, Fuller, um nur ei­nige zu nennen. Die Tests glei­chen sich je­doch sehr, so dass es letzt­end­lich egal ist, wel­chen Test man wählt, oder ob man eine Kom­bi­na­tion aus allen durch­führt. Manche Wel­pen­tester bauen auch noch wei­tere z. T. ei­gene Tests ein.

Der Wel­pen­test wird in der Regel in einem Alter von sieben Wo­chen durch­ge­führt. Das Test­ge­lände sollte den Welpen un­be­kannt sein, sie je­doch nicht mit Reizen über­fluten, so dass sie zu stark ab­ge­lenkt sind. Ebenso wie das Test­ge­lände sollte auch der Tester den Welpen nicht be­kannt sein. Die zu tes­tenden Welpen sollten ge­sund und wach sein, nicht am selben oder am Tag davor ge­impft worden sein und nicht kurz vorher ge­fressen haben. Die Welpen werden ein­zeln in das Test­ge­lände ge­setzt und so jeder für sich al­lein getestet.

Die Vi­deos stammen üb­ri­gens nicht von mir, ich fand nur, sie passen gut in diesen Beitrag.

Er­for­schungs­ver­halten in fremder Umgebung

Die ver­schie­denen Tests sollen Aus­kunft über un­ter­schied­liche Ei­gen­schaften der Welpen geben. So ist schon das Hin­ein­setzen des Welpen in das Test­ge­lände be­reits der erste Test. Wie rea­giert der Welpe? Un­ter­sucht er das Ge­lände so­fort, ist dabei ent­spannt und si­cher? Oder un­ter­sucht er das Areal erst nach kurzem Zö­gern? Braucht er länger, bevor er sich an die Er­kun­dung macht und wirkt dabei an­ge­spannt und vor­sichtig? Oder un­ter­sucht er das Ge­biet gar nicht und zeigt deut­liche Zei­chen von Angst? Dieser erste Test gibt Aus­kunft über die Neu­gier, die Si­cher­heit oder aber eben auch die Ängst­lich­keit eines Welpen.

Men­schen­bezug / Sozialverhalten

Nun be­ginnt der Tester, sich vom Welpen zu ent­fernen und dann auf sich Auf­merksam zu ma­chen bzw. ihn zu lo­cken. Bei­spiels­weise, indem er sich hin­kniet, in die Hände klatscht und/ oder den Hund verbal lockt. Wie rea­giert der Hund auf den Tester? Kommt er gleich an­ge­laufen, we­delt dabei mit hoch­ge­stellter Rute, springt am tester hoch, leckt oder knab­bert an seinen Händen? Oder zeigt er sich bei seiner An­kunft beim Tester ver­hal­tener, indem er nur leicht an seinen Händen kratzt oder ihn gar nicht be­rührt? Kommt er zö­ger­lich mit hän­gender Rute oder kommt er gar nicht? Das Ver­halten bei diesem Test gibt Aus­kunft über den Bezug des Welpen zu Men­schen, bzw. seinem Ver­trauen zu Men­schen. Dieser Test kann auch von zwei Per­sonen durch­ge­führt werden, wobei der Welpe von einer Person zur an­deren ge­lockt wird.

Fol­ge­be­reit­schaft / Kommen

Ein wei­terer Test gibt Aus­kunft über die Fol­ge­be­reit­schaft des Hundes. Der Tester setzt den Welpen neben sich ab und ent­fernt sich dann langsam. Je nach Test­ver­fahren sind Lock­rufe er­laubt. Folgt der Welpe dem Tester freudig, springt, knab­bert und leckt er am Tester? Folgt er, ohne zu knab­bern? Folgt er, viel­leicht sogar nur zö­ger­lich, mit hän­gendem Schwanz? Folgt er gar nicht oder ent­fernt er sich sogar? Ver­kriecht er sich oder er­starrt der Welpe?

Un­ter­ord­nungs­be­reit­schaft

Um die Un­ter­ord­nungs­be­reit­schaft des Welpen zu testen, wird dieser vor­sichtig auf den Rü­cken ge­dreht und im Brust­be­reich fest­ge­halten. Ist der Welpe ruhig und wehrt sich nicht? Wehrt er sich nicht und leckt die Hände des Tes­ters? Wehrt er sich zu­nächst und be­ru­higt sich dann? Wehrt er sich so lange, bis er frei­kommt? Oder wehrt er sich heftig und beißt sogar? Oder er­starrt der Welpe und klemmt die Rute ein?

Do­mi­nanz­ak­zep­tanz / Zwangshaltung

Der Test zur Ak­zep­tanz der Do­mi­nanz ver­läuft wie folgt: Der Hund wird sit­zend oder lie­gend, wie eine Sphinx auf dem Boden po­si­tio­niert. (Er liegt dabei mit auf­rechtem Kopf, die Vorder– und Hin­ter­läufe liegen par­allel am Körper an.) Milt leichtem Druck strei­chelt der Tester den Welpen vom Kopf bis zum Rü­cken. Wie rea­giert der Welpe? Wehrt er sich, dreht sich knur­rend um und beißt? Wehrt er sich, dreht sich um, und ver­sucht den Tester zu kratzen? Wehrt er sich zu­nächst und leckt dann die Hände des Tes­ters ab? Dreht er sich auf den Rü­cken und leckt die Hände ab? Oder ent­fernt er sich?

Hoch­heben / Ver­trauen / Zwangshaltung

Mit dem Hochheben-Test wird eine Zwangs­hal­tung als Teil einer So­zia­li­sie­rung ge­testet. Dabei wird der Welpe mit beiden Hänten unter Brust und Bauch ge­halten und leicht hoch­ge­hoben. Ist der Welpe ent­spannt, leistet keinen Wi­der­stand und leckt die Hände ab? Wehrt er sich etwas und ent­spannt dann? Wehrt er sich, stram­pelt und ist an­ge­spannt? Wehrt er sich, knurrt und beißt? Er­starrt er?

Ap­por­tieren

Die Be­reit­schaft zum Ap­por­tieren wird mit einem Ball, einem Dummy, einem Spiel­zeug oder ähn­li­chem ge­testet. Dabei wird der Ge­gen­stand sichtbar weg­ge­rollt. Läuft der Welpe dem ge­gen­stand hin­terher, nimmt ihn ins Maul und trägt ihn? Läuft er hin­terher, be­schnup­pert den ge­gena­stand und nimmt ihn dann ins Maul? Rea­giert der Welpe nur zö­gernd oder gleich­gültig, nimmt er ihn dann aber nach ei­niger Zeit ins Maul oder auch nicht? Rea­giert er gar nicht? Er­starrt er?

Be­rüh­rungs­emp­find­lich­keit / Pfotendruck

Der Pfoten-Test soll die Be­rüh­rungs­emp­find­lich­keit des Welpen testen. Dabei drücktt der Tester leicht eine Pfote des Welpen zwi­schen Daumen und Zei­ge­finger, er­höht den Druck stetig und zählt dabei in­ner­lich bis 10. So­bald der Welpe ein An­zei­chen des Un­be­ha­gens er­kennen lässt, wird der Test be­endet und die Zahl notiert.

Lär­m­emp­find­lich­keit

Mit einem Ge­gen­stand, der ein lautes Ge­räusch von sich gibt kann die ak­kus­ti­sche Emp­find­lich­keit ge­messen werden. Lo­ka­li­siert der Welpe das Ge­räusch und läuft darauf zu? Belt er, nachdem er das Ge­räusch lo­ka­li­siert hat? Zeigt er neu­gier und läuft dann zö­ger­lich auf den lär­menden ge­gen­stand zu? Fürchtet er sich, oder igno­riert er das Geräusch?

Op­ti­sche Reize

Die Re­ak­tion auf op­ti­sche Reize wird er­mit­telt, indem ei­nige, dem Welpen un­be­kannte Ge­gen­stände im Test­ge­lände ver­streut werden. Rea­giert der Welpe, indem er an jedem Ge­gen­stand in­ter­es­siert ist, darauf zu­läuft und ihn un­ter­sucht? Ist er eher vor­sichtig, be­äugt die Ge­gen­stände aus der Dis­tanz und be­schäf­tigt sich nur zö­ger­lich mit ihnen? Ist er zwar am Aus­legen in­ter­es­siert, in­ter­es­siert sich aber nicht für die Ge­gen­stände an sich son­dern folgt sogar dem tester? Ist er des­in­ter­es­siert? Ver­steckt er sich beim Aus­legen der Gegenstände?

Jagd­in­stinkt

Der Jagd­in­stinkt des Welpen kann ge­testet werden, indem ein Ge­gen­stand an einer Schnur hinter sich her­ge­zogen wird. Folgt der Welpe dem Ge­gen­stand und beißt hinein? Folgt er und nimmt den Ge­gen­stand ins Maul? Folgt er und will den Ge­gen­stand un­ter­su­chen? Schaut er in­ter­es­siert aber be­wegt sich nicht auf den Ge­gen­stand zu? Geht er von dem Ge­gen­stand weg und ver­steckt sich? Igno­riert er den Gegenstand?

Kon­zen­tra­tion

Bei dem Kon­zen­tra­ti­ons­test wird dem Welpen ein Ge­gen­stand prä­sen­tiert und ge­messen, wie lannge er sich, ohne sich dabei ab­lenken zu lassen, damit be­schäf­tigt. Schaut er den Ge­gen­stand mehr als fünf Se­kunden an? Schaut er kurz und be­ginnt sich dann zu Kratzen, zu bellen oder kurz weg­zu­sehen? Schaut er nur kurz und ist dann nicht mehr interessiert?

Pro­blem­lö­sung

Beim Test zur Pro­blem­lö­sung wird der Welpe hinter eine Ab­sper­rung ge­setzt und soll den Aus­gang finden. Findet er den Aus­gang in­ner­halb von 30 Se­kunden und läuft zum Tester? Findet er den Aus­gang schnell und selbst­ständig und er­kundet dann die Um­ge­bung? Findet er den Aus­gang durch Lo­cken? Un­ter­sucht er die Ab­sper­rung und forscht langsam nach dem Aus­gang? Steigt der Welpe an der Ab­sper­rung hoch, fiept oder bellt und be­nö­tigt Hilfe? Sitzt der Welpe re­gungslos herum und lässt sich auch nicht durch Lo­cken be­wegen zu kommen bzw. zu suchen?

En­er­gie­level

Erste Aus­künfte über das En­er­gie­level des Welpen lassen sich vom Ge­samt­ver­halten des Welpen ab­leiten. Ist der Welpe ständig in Be­we­gung, hüpft er herum, we­delt er und setzt seine Pfoten ein? Trottet er eher herum, läuft und hüpft er manchmal und we­delt? Läuft er langsam und be­häbig, sitzt ruhig und bleibt meist an einer Stelle? Steht er steif da, die Rute tief­ste­hend und hat die Ohren zurückgelegt?

Egal, wie man zu dem Wel­pen­test steht, ich finde es sehr in­ter­es­sant zu sehen, ob an­dere meinen kleinen Rüden ge­nauso sehen wie ich. Und ich finde, die kleine Fluse hat sich super ge­schlagen. Und das, wo er nach der stres­sigen Fahrt der erste Test­kan­didat wahr und sich die Da­men­welt erstmal aus­ruhen durfte. Er hat bei allen Tests super ab­ge­schnitten, sich bei der Rü­cken­lage al­ler­dings leicht ge­wehrt. Das passt gut, ich mag auch nicht gerne auf dem Rü­cken liegen. :mrgreen: Dar­über­hinaus hat er sogar noch ein tolles Aus­sehen be­schei­nigt be­kommen. „Ex­zel­lenter Rüde, ele­gant. Muss zur Show. Sehr schöner Kopf.“ Ich bin so richtig stolz auf meinen Kleinen!

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Flatbedingungen

Oje, die Züch­ter­frage ge­staltet sich zu­neh­mend schwierig. Ich komme mir in­zwi­schen so vor, als wolle ich in einen Ge­heim­zirkel auf­ge­nommen werden und weiß die rich­tige Lo­sung nicht. Wir wün­schen uns einen Flat und das von Herzen. Ja, wir sind be­dingt durch meinen Job ge­burts­ter­min­mäßig sehr ein­ge­schränkt, will meinen, der Welpe muss al­ler­spä­tes­tens Mitte Au­gust bei uns ein­ziehen, sonst haben wir in der ersten und wich­tigen Phase zu wenig Zeit für ihn, da kann ich es drehen und wenden, wie ich will.

Ich bin mir ganz si­cher, dass der Flat bei uns ein sehr lie­be­volles Zu­hause finden wird. Zu­sätz­lich haben wir sehr hun­de­liebe und auch hun­de­er­fah­rene Un­ter­stüt­zung in un­serem Fa­mi­lien– und Freun­des­kreis. Und ich hoffe, dass der Kon­takt zu Ca­ro­line nicht ab­bricht. Das fänden mein Freund und ich näm­lich wirk­lich schade.

Wir möchten un­seren Flat auch aus­lasten, das ist uns sehr wichtig und wir freuen uns auch darauf. Doch da liegt der Hase im Pfeffer. Fast jede Züch­terin hat ganz ei­gene Vor­stel­lungen wie diese Aus­las­tung aus­sehen soll. Die eine sagt „Dum­my­trai­ning, oder du kriegst keinen Flat“, die an­dere sagt „Dum­my­trai­ning im DRC (Deut­scher Re­triever Club), an­dere Sport­arten dazu sind ok, aber zu­erst Dum­my­trai­ning, sonst lernt der Hund etwas Fal­sches“. Wieder eine an­dere sagt „Hun­de­schule, aber auf jeden Fall eine vom DRC, keine an­dere“. Die nächste meint, „Die Sportart ist egal, aber der Flat sollte auf Aus­stel­lungen zu sehen sein.“ Um nur eine Aus­wahl zu nennen. So sind es n Züchter und n+1 Mei­nungen. (Jaja, ich komme aus dem so­ge­nannten MINT-Bereich, sprich Ma­the­matik, In­for­matik, Na­tur­wis­sen­schaft und Technik.) Und ei­gent­lich sollte man mög­lichst in un­mit­tel­barer Nähe zum Züchter wohnen.

Ich finde es toll, wie­viel Mühe sich die Züchter mit den Wel­pen­käu­fern geben. Wie sie auch nach dem Kauf mit Rat und Tat zur Seite stehen, viel­fäl­tige An­ge­bote an Welpe und Halter ma­chen und dass sie re­gel­mä­ßige Wel­pen­treffen in­iti­ieren. Da­mals haben wir Shadow ge­kauft und das war es dann. „Fire and forget“, wie der Rol­len­spieler sagen würde. Ich bin be­geis­tert, dass es jetzt an­ders ist. Und dafür nehmen wir auch gerne den meist langen Weg auf uns.

Wie ge­sagt, wir möchten un­seren Hund aus­lasten. Re­triever, egal welche der sechs Rassen, sind prä­des­ti­niert für’s „Re­trieven“ also für die Dum­myar­beit. Wir möchten etwas finden an dem wir alle, vor allem aber der Flat, Freude haben. Wenn er — ganz un­ty­pisch, das gebe ich zu — ein Ap­portel (also dieses Säck­chen zum Su­chen und Holen) total un­span­nend findet, dann werden wir ihn nicht zwingen. Ich habe dank Ca­ro­line einen kleinen Ein­blick in die Dum­myar­beit ge­wonnen und hatte Spaß dabei (und eine Lun­gen­ent­zün­dung da­von­ge­tragen, was meine Ent­schei­dungs­fin­dung je­doch in keinster Weise be­ein­flussen wird). Ich habe weder Agi­lity, Trick­dog­ging, Fähr­ten­ar­beit oder Man­trai­ling, Fly­ball, Obedience, Dog­dancing und was die Hun­de­sport­welt sonst noch so be­reit­hält pro­biert. Au­ßerdem war ich noch nie auf einer Hun­de­aus­stel­lung. Diesen Zu­stand möchte ich än­dern. Dem­nächst be­suche ich, weil die Ge­le­gen­heit grad günstig ist, eine Aus­stel­lung. Wenn Agnes zu­rück ist, werde ich mir mit ihr Agi­lity, Fähr­ten­ar­beit und Obedience einmal an­sehen. Und ich finde es nach wie vor in­ter­es­sant, eine As­sis­tenz­hun­de­aus­bil­dung zu ver­su­chen. So­fern das Fell­knäuel Spaß daran hat. Das ist die al­ler­wich­tigste Voraussetzung!

Ich habe von An­fang an mit of­fenen Karten ge­spielt. So­wohl was den Termin an­geht, als auch die Tat­sache, dass wir uns bei meh­reren Züch­tern um­hören, da wir weder wissen, ob es genug Welpen werden, noch ob einer der Züchter be­reit ist, uns einen Welpen zu geben. Die Züchter sagen uns weder, ob wir über­haupt eine Chance haben, noch wo wir auf der „War­te­liste“ stehen. Ca­ro­line und Darcys Frau­chen waren da eine Aus­nahme. Alle an­deren sind skep­tisch, weil wir ehr­lich waren, was die Er­fah­rung mit dem Hun­de­sport an­geht. Es ist unser erster ei­gener Hund. Es ist unser erster Flat. Meine Hun­de­er­fah­rungen be­schränken sich auf un­seren Irish Setter (da­mals war ich 12 Jahre alt, als er zu uns kam und 23 Jahre alt, als er starb) und ganz ehr­lich, da­mals war weder von Hun­de­sport, noch von Aus­las­tung die Rede. Da hieß es, dreimal am Tag spa­zieren gehen, we­nigs­tens eine Stunde pro Spa­zier­gang, und so haben wir es ge­macht. Ich be­haupte, unser Hund hätte an ir­gend­einer Sportart si­cher viel Spaß ge­habt. Auf keinem Fall am Dum­my­trai­ning und schon gar nicht an ir­gend­etwas, das mit Wasser zu tun ge­habt hätte. Das Au­to­fahren hat er bis ins hohe Alter ver­ab­scheut. Shadow hatte es mit uns Kin­dern an­fangs si­cher nicht ganz leicht, aber er war ein un­glaub­lich lieber, ge­dul­diger, freund­li­cher, be­geis­te­rungs­fä­higer und le­bens­froher Hund. Wir können also nicht alles falsch ge­macht haben.

Un­sere ge­ringe Vor­er­fah­rung und un­sere Be­reit­schaft, ehr­lich im Bezug auf die Aus­las­tung und die Züch­ter­frage zu sein, ka­ta­pul­tiert uns in eine zu­neh­mend schlech­tere Lage. Man ist miss­trau­isch, be­fürchtet, wir würden einem „nur zum Munde“ reden, wenn wir sagen, wir hätten uns das Dum­my­trai­ning an­ge­sehen und Spaß daran ge­habt. Letzt­end­lich scheinen die Zweifel bei uns als po­ten­ti­ellem Wel­pen­käufer groß zu sein. Ich weiß nicht, was wir falsch ma­chen. Das stimmt mich traurig und ängst­lich. Ich freue mich so sehr auf das Fell­knäuel, aber haben wir über­haupt eine Chance?

Na­tür­lich müssen die Züchter planen. Sie wollen keine Wel­pen­käufer, die in letzter Mi­nute ab­springen. Ver­stehe ich sehr gut. Aber sie ma­chen es einem auch nicht leicht. Wären sie etwas aus­kunfts­freu­diger (wobei die Wel­pen­an­zahl na­tür­lich eine ent­schei­dende Rolle spielt und nicht planbar ist), könnten sie und wir viel besser planen.

Sabrina sagte nur: „Pff, sag den Leuten, was sie hören wollen und geh da­nach nie wieder ans Te­lefon, wenn sie an­rufen.“ Das werde ich nicht tun. Ich hoffe auf einen guten Kon­takt zu der Züch­terin meines zu­künf­tigen Welpen. Auch nachdem wir das Fell­knäuel bei uns auf­ge­nommen haben. Währt ehr­lich wirk­lich immer am längsten? Viel­leicht müsste es heißen, „Ehr­lich wartet am längsten.“? Bei uns heißt es in­zwi­schen Hoffen und Bangen. Es naht die Zeit der Ent­schei­dung. Dann werden wir ent­weder sehr glück­lich oder sehr traurig sein.

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Die erste Absage

Ges­tern habe ich mir meine erste Züchter-Absage ein­ge­heimst. Also die Züch­terin hat es nicht di­rekt aus­ge­spro­chen, aber die Si­tua­tion war ein­deutig. Ins­ge­samt war das Ge­spräch sehr schwierig, eher wie ein Verhör, nicht wie eine Un­ter­hal­tung. Mir ist klar, dass die Züchter viel wissen möchten und das finde ich auch gut, aber meine bis­he­rigen Ge­spräche waren immer sehr freund­lich und haben sich gut an­ge­fühlt. Das Ge­spräch ges­tern über­haupt nicht, ich habe sehr viele Fragen be­ant­wortet (Wohnort, Haus oder Woh­nung, Miete oder Ei­gen­heim, Stock­werk, wie der Hund die Treppen runter– und rauf­kommt, mehr­fache Nach­frage, ob ich wirk­lich kräftig genug bin, ihn zu tragen, Bo­den­belag, was tun, wenn der noch nicht stu­ben­reine Hund einen „Un­fall“ hat, Strecke von der Woh­nung bis zur Grün­fläche, bis zum Park, bis zum Wald, meine Ar­beits­zeiten, die Ar­beits­zeiten meines Freundes, wohin mit dem Hund im Ur­laub, uvm.) und ich fühlte mich bei wirk­lich jeder Ant­wort so, als wäre sie falsch ge­wesen. Die ent­schei­dende Frage aber, die letzt­end­lich zum Ge­fühl der end­gül­tigen Ab­leh­nung führte, war die Frage da­nach, was ich mit dem Hund als Be­schäf­ti­gung ma­chen wolle. Ich er­zählte, dass ich noch nicht end­gültig fest­ge­legt sei, dass das Dum­my­trai­ning eine Mög­lich­keit wäre, dass ich aber auch für an­dere Dinge offen wäre, je nach In­ter­esse des Hundes und dass ich über­lege, bei ent­spre­chender Ver­an­la­gung des Hundes, ihm ein paar Dinge aus der As­sis­tenz­hun­de­aus­bil­dung bei­zu­bringen. Für welche an­deren Dinge ich noch offen sei, frage sie, „Obedience bei­spiels­weise“, ant­wor­tete ich. Es folgte Schweigen. Ich er­zählte, dass mir am Obedience ge­fällt, dass es dabei um die Har­monie und das Ver­trauen zwi­schen Hund und Halter geht, dass es nur funk­tio­niert, wenn der Hund Spass daran hat. Das glaubte sie mir nicht. Es schien fast so, als sei Obedience der in­be­griff der „Un­ter­wer­fung um jeden Preis“. Und die As­sis­tenz­hun­de­sache fand sie auch un­mög­lich. Ich sagte, dass mir wichtig wäre, etwas zu tun, was dem Hund und mir Freude be­reitet. Doch es war zu spät. Ihre Hunde wären für das Dum­my­trai­ning ge­züchtet, die Hunde hätten aus­schließ­lich daran Freude und ich schien ihr dem Hund meinen Willen und meine In­ter­essen auf­zwingen zu wollen. Es war furchtbar. Sie schwieg wieder und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dann be­en­dete ich das Gespräch.

Ja, ich bin ein emo­tio­naler Mensch, ich habe dieses Ge­spräch nicht ein­fach weg­ste­cken können. Ich habe mir lange über­legt, ob ich über­haupt zur Hun­de­hal­tung fähig sei, ob es ein Flat gut bei mir hätte. Würde ich ihm meinen Willen auf­zwingen, nur weil ich mir ein paar Mög­lich­keiten of­fen­halte und nicht jetzt und so­fort ent­scheide, eine be­stimmte Sache zu ma­chen? Na­tür­lich weiß ich, dass die meisten Re­triever (wie der Name es ja auch sagt) das Dum­my­trai­ning lieben. Und wenn mein Hund in spe das auch liebt, dann werde ich ihm das si­cher nicht vor­ent­halten. Aber ich finde es auch nicht schlimm, manche Dinge aus­zu­pro­bieren und zu sehen, was ihm noch Spaß macht. Dieses Ge­spräch je­den­falls hat mich sehr mitgenommen.

Was für ein Glück, dass sich heute eine an­dere Züch­terin ge­meldet hat, die sehr nett und auf­ge­schlossen wirkte. Es war ein schönes Ge­spräch und es ging mir viel besser da­nach. Ei­gent­lich waren alle Züch­ter­ge­spräche bisher po­sitiv. Bis auf das eine ges­tern. Doch ver­dauen muss ich das trotzdem noch.

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Der Flat als Assistenzhund?

In den letzten Tagen habe ich mich sehr stark mit dem Thema As­sis­tenz­hunde aus­ein­an­der­ge­setzt. Bei der Re­cherche, was man mit einem Hund alles ma­chen kann, um ihn kör­per­lich und geistig aus­zu­lasten, bin ich durch Zu­fall auf dieses Thema ge­kommen. Ich kenne Blin­den­hunde und Roll­stuhl­be­gleit­hunde, dass die Tiere aber auch in an­deren Be­rei­chen als As­sis­tenz­hunde ein­ge­setzt werden können war mir neu. So gibt es bei­spiels­weise Si­gnal­hunde, die Ge­hör­lose auf be­stimmte ak­kus­ti­sche Si­gnale hin­weisen, wie bei­spiels­weise einen We­cker, das Tür­klin­geln oder das Schreien eine Ba­bies. Es gibt me­di­zi­ni­sche Si­gnal­hunde, die einen Epi­lep­tiker auf einen be­vor­ste­henden An­fall (Epi­lep­sie­warn­hunde) oder einen Dia­be­tiker auf eine Un­ter­zu­cke­rung hin­weisen können (Dia­be­ti­ker­warn­hunde). Auch bei akuten Si­tua­tionen, wie einem epi­lep­ti­schen An­fall kann ein sol­cher Hund rea­gieren, indem sie Dinge außer Reich­weite bringen, die den Epi­lep­tiker ver­letzen könnten, oder indem sie Hilfe holen, sogar über ein spe­zi­elles Te­lefon (Epi­lep­sie­an­zei­ge­hunde). As­sis­tenz­hunde für le­bens­prak­ti­sche Fä­hig­keiten (LPF– oder auch Ser­vice­hunde) können helfen Dinge auf­zu­heben oder zu bringen (Fern­be­die­nung, Handy, usw.), Türen öffnen und schließen, das Licht an– oder aus­schalten und vieles mehr.
Und schließ­lich gibt es noch As­sis­tenz­hunde für Men­schen mit psych­ia­tri­schen Er­kran­kungen wie schweren De­pres­sionen, Ess­stö­rungen, Schi­zo­phrenie, bi­po­laren Stö­rungen, der Borderline-Störung, AD(H)S, Men­schen mit einem post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­syn­drom (PTBS-Hunde) und Au­tismus (Au­tis­mus­hunde). Und da komme ich mit meiner De­pres­sion ins Spiel.
Die Aus­bil­dung dieser As­sis­tenz­hunde kann durch einen ent­spre­chen Trainer vor­ge­nommen werden, der den Hund meh­rere Jahre lang trai­niert, wäh­rend der Hund bei einem Paten lebt. Nach der Aus­bil­dung be­kommen Hund und Pa­tient ein ge­mein­sames Trai­ning und der Hund dann an den Pa­ti­enten über­geben. Es ist aber auch mög­lich, dass Hund und Halter diese Aus­bil­dung ge­meinsam ma­chen. Diese Mög­lich­keit finde ich hoch­in­ter­es­sant. Schon im Wel­pe­nalter kann man den Hund auf ge­wisse Dinge prägen, die Phase der So­zia­li­sie­rung, bei der der Welpe lernt in ver­schie­denen Si­tua­tionen ruhig und ent­spannt zu sein ist be­son­ders wichtig.
Mein Hund muss kein rich­tiger As­sis­tenz­hund werden. Er muss mich nicht auf Schritt und Tritt be­gleiten, die „Pri­vi­le­gien“, die ein zer­ti­fi­zierter As­sis­tenz­hund hat, dass er in alle Ge­schäfte und Re­stau­rants, Ho­tels, in Bus, Bahn und Flug­zeug (in der Pas­sa­gier­ka­bine) darf, dass er in Woh­nungen ge­halten und an Orten sein darf, in denen Hunde un­ter­sagt sind, die brauche ich nicht. Mir würde es helfen, wenn der Hund in Phasen der De­pres­sion zu Hause „as­sis­tiert“. So ist es mög­lich, einem Hund bei­zu­bringen, seinen Men­schen zu Ak­ti­vität an­zu­halten, ihn aus Phasen der De­rea­li­sa­tion (wenn einem die Um­ge­bung un­wirk­lich und fremd er­scheint) oder De­per­so­na­li­sa­tion (wann man sich selber fremd er­lebt) her­aus­zu­holen und im Falle von Sui­zi­da­lität, Sui­zid­ge­danken und selbst­schä­di­gendem Ver­halten ent­weder Hilfe zu holen, oder seinen Men­schen von seinen Grü­be­leien oder schä­di­genden Ak­ti­vi­täten ab­zu­halten. Der Hund kann lernen seinen Men­schen zu we­cken, wenn der tags­über schläft oder Alp­träume hat, ihn ab­zu­lenken, wenn er nachts nicht schlafen kann und er kann ihn an seine Me­di­ka­mente er­in­nern und ihm diese sogar zu­sammen mit etwas Wasser bringen (nagut, nach­ein­ander), wenn Herr­chen oder Frau­chen nicht mehr in der Lage oder sich zu un­wichtig ge­worden sind um es selbst zu tun.
Für sich ge­nommen wirken Hunde schon aus­ge­spro­chen an­ti­de­pressiv und Flats durch ihr fröh­li­ches, auf­ge­schlos­senes und hu­mor­volles Wesen ganz be­son­ders, aber ein paar der zu­sätz­li­chen Fä­hig­keiten wären si­cher nütz­lich. Wobei ich den Hund nicht we­niger lieben würde, wenn das nicht klappt. Doch ich möchte es zu­min­dest ver­su­chen. Und nur weil er eine Sache nicht hin­kriegt heisst das ja nicht, dass er alles an­dere auch nicht schafft.
Durch um­fang­reiche Re­cherche im Netz und das Buch „Vom Welpen zum As­sis­tenz­hund“ (Promo-Link) habe ich je­den­falls schon ei­nige nütz­liche In­for­ma­tionen ge­sam­melt, wie man den Hund auf wel­pen­ge­rechte Weise für eine mög­liche As­sis­tenz­hun­de­tä­tig­keit vor­be­reitet.
Aber zu­erst muss das mit dem Flat na­tür­lich klappen. Das macht mir näm­lich die meisten Sorgen.

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