Der Flat Coated Retriever

Flat-Coated Retriever (1881)

Was ist das ei­gent­lich für ein Hund, den wir uns ins Haus holen möchten?

Der Ur­vater des Re­trie­vers und damit auch des Flat Coated Re­trie­vers sowie des Neu­fund­län­ders ist der St. John’s dog. Dieser wurde im 19. und 20. Jahr­hun­dert von Neu­fund­land nach Eng­land ge­bracht und dort mit an­deren Rassen ge­kreuzt um letzt­end­lich die Hunde zu er­halten, die man heute als Re­triever kennt. In Neu­fund­land hin­gegen züch­tete man durch Ein­kreuzen des Mas­tiffs den Neu­fund­länder. Der ur­sprüng­liche St. John’s dog ist in­zwi­schen aus­ge­storben, von allen Retriever-Rassen äh­nelt ihm wohl der La­brador Re­triever am meisten. Man ver­mutet, dass der St. John’s dog mit Col­lies (für die bes­sere Trai­nier­bar­keit), Neu­fund­län­dern (für die Stärke) und Set­tern (für den aus­ge­prägten Ge­ruchs­sinn) ge­paart wurde um schließ­lich den Flat Coated Re­triever zu er­halten. 1915 wurde der Flat Coated Re­triever in Ame­rika als Rasse an­er­kannt und seine Po­pu­la­rität wuchs ra­pide. Die Nach­frage be­gann zu sinken, als der Golden Re­triever an Po­pu­la­rität ge­wann. Gegen Ende des zweiten Welt­kriegs war der Flat Coated Re­triever fast kom­plett ver­schwunden, der Er­halt der Rasse war lange un­si­cher. Nur we­nigen Züch­tern, die unter schwie­rigsten Be­din­gungen wei­ter­machten, ist es zu ver­danken, dass diese Rasse nicht aus­ge­storben ist. Der Flat Coated Re­triever ist bis heute eine ver­gleichs­weise sel­tene Rasse.

Nasser und schlammiger FlatDer Flat Coated Re­triever ist ein Jagd­hund, ge­nauer ge­sagt ein Ap­por­tier­hund. Er hat ein „wei­ches Maul“, was be­deutet, dass er das zu ap­por­tie­rende Wild holen kann, ohne es zu ver­letzen. Der Flat ist ein aus­ge­spro­chenes Ar­beits­tier, mit dem sehr aus­ge­prägtem Wunsch seinem Halter zu ge­fallen (will to please). Der Flat ist sen­sibel und tem­pe­ra­ment­voll, aktiv, aber nicht hy­per­aktiv. Er ist freund­lich und liebt das Wasser, bis ins hohe Alter bleiben Flats ver­spielt. Flats sind fröh­liche Hunde, die fast zu jeder Ge­le­gen­heit mit dem Schwanz we­deln, daher stammt der Spruch „Flats do it with a wag­ging tail“. Der Flat lässt eine ge­wisse Ei­gen­wil­lig­keit er­kennen, alles in allem holt man sich mit einem Flat einen Clown mit Fell ins Haus. Eine sehr schöne Be­schrei­bung seines We­sens findet sich im Buch „Die drei Cha­rak­tere“ (Promo-Link) von Anke Bogaerts:

Ein Golden Re­triever sagt: Zeig mir, was du willst und er­kläre mir, warum, dann werde ich es tun.

Ein La­brador Re­triever sagt: Zeig mir, was du willst, warum brauche ich nicht zu wissen, denn ich mache es doch auf meine Weise.

Ein Flat-Coated Re­triever sagt: Ich weiß schon, was du willst und auch, warum du es willst, wenn du mir jetzt Platz machst, werde ich dir zeigen, wie man es besser ma­chen kann.“

Schwarzer Flat

Quelle: Gunn­andre­assen, Li­zenz: Crea­tive Commons

Laut Ras­se­stan­dard ist der Flat Coated Re­triever ein „auf­ge­weckter, reger Hund von mitt­lerer Größe mit in­tel­li­gentem Aus­druck, zeigt Kraft ohne schwer­fällig zu wirken, zeigt Rasse ohne dabei schmächtig zu sein. […] Rund­herum aus­ge­stattet mit den na­tür­li­chen Ei­gen­schaften eines Jagd­hundes; Op­ti­mismus und Freund­lich­keit wird durch en­thu­si­as­ti­sche Ru­ten­be­we­gung de­mons­triert. Selbst­si­cher und freundlich.“

Flats gibt es in drei Farben, schwarz (black), le­ber­braun (liver) und gelb (yellow, blonde), wobei nur die beiden ersten Va­ri­anten er­wünscht und an­er­kannt sind. Die Hunde werden ca. 60 cm groß und zwi­schen 25 und 34 kg schwer.

Bilder und Informationen:

 

 

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Auf den Hund gekommen

Wie bin ich ei­gent­lich aus­ge­rechnet auf einen Flat Coated Re­triever gekommen?

shadowHier muss ich etwas weiter aus­holen. Als ich 12 Jahre alt war bekam un­sere Fa­milie einen Hund, den Irish Setter Rüden Shadow (oder auch edler: Earl vom We­sertal). Shadow war eine Seele von einem Hund, treu, lieb, ge­duldig, ein­fach alles, was ein Hund an Po­si­tivem sein kann. Die Zeit mit Shadow war wun­der­schön und als er mit elf Jahren ein­ge­schlä­fert werden musste (Links­herz­in­suf­fi­zienz), war ich un­heim­lich traurig. Da­mals stu­dierte ich und wohnte al­lein in einer ei­genen Woh­nung und die Hal­tung eines Hundes kam nicht in Frage. Doch mein Traum war es immer, ir­gend­wann wieder einen Hund zu haben. Ich über­brückte die Zeit mit Ratten, die meine Tier­ärztin, eben­falls eine ein­ge­fleischte Hun­de­lieb­ha­berin, immer als „die Hunde des kleinen Mannes“ be­zeich­nete. Und das waren sie in der Tat. Doch in­zwi­schen habe ich schon lange keine Pelz­nasen mehr, denn mit einer Le­bens­er­war­tung von zwei bis drei Jahren bin ich nicht wirk­lich gut zurechtgekommen.

FlatKarstadtMit Stu­dium und später Job ver­tagte ich den Hunde­wunsch auf die Zeit der Rente, doch ich wusste schon, was für einen Hund ich gerne haben wollte. Ein Setter kam nicht in Frage, zu groß wären die Fuß­stapfen ge­wesen, in der er hätte treten müssen. Ich lieb­äu­gelte mit einem La­brador Re­triever, in schwarz, die Hunde ge­fielen mir vom Wesen her und op­tisch am besten.  Be­stärkt wurde diese Wahl durch den Labrador-Münsterländer-Mischling „Pluto“, auch gerne das „große schwarze Fress­monster“ ge­nannt, von Agnes, einer Freundin meines Bru­ders und ir­gendwie in­zwi­schen auch ein biss­chen von mir. Doch letztes Jahr, es war der 14. Mai 2012, zwei Tage vor meinem Auf­ent­halt in einer Ta­ges­klinik wegen der immer schlimmer wer­denden De­pres­sion, sah ich ihn, den ersten Flat meines Le­bens. Es war im Ein­kaufs­zen­trum, wo ich ein paar Be­sor­gungen für den Kli­nik­auf­ent­halt ma­chen musste, als Mutter mit Sohn und Hund vor der Um­kleid­ka­bine standen. Ich ver­liebte mich so­fort in das Tier und fragte die Be­sit­zerin, ob ich Fotos ma­chen dürfte (der ein­zige Makel, den ein schwarzer Hund hat, man kann ihn un­mög­lich fo­to­gra­fieren, auf den Bil­dern sind nur schwarze Lö­cher zu sehen). Ein paar Mi­nuten später, drehte ich mich nochmal um, ging zu Frau, Kind und Hund zu­rück und fragte nach der Rasse. „Flat Coated Re­triever“, sagte die Frau, selten sei die Rasse, ich solle auf der Seite des DRC schauen, da fände ich alles, was ich wissen müsste, über diese un­glaub­liche Rasse. Sie würde nie wieder eine an­dere Rasse haben wollen. Ich no­tierte mir diese In­for­ma­tionen auf meinem Handy, denn mit der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit einer De­pres­siven ist es nicht sehr weit her. Und das wollte ich mir un­be­dingt merken.

Notiz

Der Kli­nik­auf­ent­halt kam und ging, ich wurde erst etwas ge­sünder, dann wieder kränker, nach Weih­nachten sogar richtig viel kränker, aber der Wunsch nach einem Hund war nach wie vor un­ge­bro­chen. Als ich dann vor ein paar Wo­chen durch Zu­fall auf einen Be­richt über Hun­de­ta­ges­stätten stieß, war mein In­ter­esse ge­weckt. Das war die Lö­sung! Mit meinem Halb­tagsjob ar­beite ich zwei Tage in der Woche ganz und einen Tag halb. Ich könnte also zwei Tage in der Woche den Hund in der Ta­ges­stätte (6000 qm Au­ßen­ge­lände) mit seinen Art­ge­nossen spielen lassen, den halben Tag müsste der Hund zu Hause warten und die rest­li­chen Tage ar­beite ich mal mehr mal we­niger (frei­be­ruf­lich) von zu Hause aus. Alles was ich über die Ta­ges­stätte las klang super, die Hunde dürfen da Hund sein, werden von fach­kun­digen Leuten be­auf­sich­tigt und toben und spielen mit Art­ge­nossen. Per­fekt.
Ich drehte und wen­dete die Idee in meinem Kopf, schwankte zwi­schen Zwei­feln und Freude und in­zwi­schen ist es be­schlos­sene Sache. Ein Mini-Flat soll bei uns ein­ziehen. Und ich freue mich wahn­sinnig auf den Hund.

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